Die Reste einer Landwehr im Bereich Baukloh
Diese unscheinbaren Erhebungen sind die Reste der alten Landwehr
Unter Landwehren versteht die historische Wissenschaft Wallanlagen, die ein Stück Land nach einer oder mehreren Seiten abgrenzen oder sperren. Ursprünglich waren sie in den meisten Fällen von einem oder zwei Gräben begleitet und wurden durch eine auf dem Wall angepflanzte Hecke verstärkt. Landwehren wurden im allgemeinen im Verlauf oder in ungefährer Anlehnung an den Verlauf von Stadt-, Kirchspiel-, Gerichts- oder Territorialgrenzen errichtet. Ihr Zweck war nicht in erster Linie darauf gerichtet, Grenzen zu markieren, sondern eine Sperrlinie zu errichten.

Unter den Gründen für ihre Anlage dominieren fiskalische Gesichtspunkte. So sollte zum Beispiel die Umfahrung von Zollstellen verhindert werden. Vor allem aber, sollte die Bewegungsfreiheit bewaffneter Verbände eingschränkt werden. Sie können daher als Denkmäler der Friedenswahrung gelten, deren Intensivierung einen der Hauptzüge des spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Territorialstaates darstellt. Landwehren sind in der Zeit vom 14. bis in das 17. Jahrhundert durchgehend genutzt, erneuert und erhalten worden.
Auf diesem Bild ist der Verlauf der Landwehr anhand der Geländeerhebungen gut nachzuvollziehen
Auf diesem Bild ist der Verlauf der Landwehr anhand der Geländeerhebungen gut nachzuvollziehen

In früher Neuzeit war die Landwehr oder Wegsperre mit ineinander verflochtenen Dornensträuchern bepflanzt, die mit Fuhrwerken nicht passiert werden konnte. Ausnahmen bildeten die Schlägbäume, auch Schläge genannt, an jenen Stellen, an denen Wege die Landwehr querten. Für solche "Durchlässe" stehen heute in Lüdenscheid noch vereinzelte Flurnamen, so zum Beispiel: "Hülscheider Baum" oder "Bierbaum". Es wurde versucht möglichst wenige Durchgänge zu schaffen. Daraus folgt, dass an den Schlägen oder Durchgängen die alten Wege bündelförmig ankamen und jenseits der Grenze wieder auseinander führten. Die Landwehr im Gebiet Baukloh ist im Zusammenhang mit der ehemaligen Stadtgrenze zu sehen. Aus der Lage der vorgelagerten Gräben ist ersichtlich, dass sich der Wall gegen den Aussenbereich des ehemaligen Stadtgebiets der Stadt Lüdenscheid richtete.

Die Landwehr Baukloh steht im Eigentum der Stadt Lüdenscheid und wurde am 12. Juni 1997 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen.

Ein idealisierter Querschnitt durch ein Landwehr
Aus "Was ist ein Bodendenkmal? Archäologie und Recht", Philipp v. Zabern, WAfD Münster 2. Aufl. 1993
Dieser idealisierte Querschnitt durch eine intakte Landwehr soll einen Eindruck vermitteln, wie die jetzt noch vorhandenen Bodenrhebungen ürsprünglich angelegt waren. Deutlich erkennbar ist hier die Heckenbepflanzung und das angelegte Grabensystem. Durch diese Ansicht wird deutlich, dass die Landwehr gerade für Lasten transportierende Wagen und Karren ein fast unünberwindliches Hindernis war.