1. Hohlwegbündel Freisenberg

Hohlwege sind durch Ihre Nutzer nicht geplant angelegt worden, sondern sie sind ein Ergebnis einer steten Nutzung. So stand am Anfang ein unbefestigter, zum Umland niveaugleicher Erdweg. Durch das Befahren mit landwirtschaftlichem Gerät oder Fuhrwerken bildeten sich zunächst durch Zerstörung der Vegetationsdecke sogenannte "Geleise" mit deutlich erkennbaren Wagenspuren. Damit sich hieraus Hohlwege entwickeln konnten mussten folgende Kriterien erfüllt sein:

- geeignete topographische Gegebenheiten
- Gefügestörungen durch mechanische Beanspruchung
- geeigneter geologischer Untergrund mit leicht erodierbaren Deckschichten
- Erosion durch Wasser, Klima, Pflanzen, Tiere und menschliche Einflüsse.

Die topographischen Gegebenheiten sind in der Regel bei Hängen ab einem gewissen Grad des Gefälles gegeben und stehen in Abhängigkeit von der Länge des Weges. Gefügestörungen wurden durch den Tritt der Zugtiere, dem Rollen der Wagenräder und die schwere Last der Fuhrwagen bewirkt, wodurch das Material der Wegesohle zu Staub zermahlen wurde. Das Aufkommen von metallbeschlagenen, schmalen Radreifen ab dem 18. Jahrhundert verstärkte diesen Effekt drastisch, da sich die Auflast nun auf eine kleinere Fläche verteilte als bei breiteren Radtypen. Als Folge des stetigen Prozesses des Zerkleinerns und Austragens des anfallenden Materials vollzog sich das unausweichliche Eintiefen der Hohlen.

Zu Anfang besaßen die Wege etwa kastenförmige Querschnitte, da auch Radnaben, Wagenaufbauten und Beladung seitlich auf die Wände mechanisch-erosiv wirkten und eine Wegeverbreiterung erzeugten. Die zunächst steilen Wegeböschungen unterlagen jedoch Verwitterungseinflüssen, die zu einer Verflachung führten. Rillenspülung durch abfließendes Wasser führte ebenso zum Hangabtrag, wie der Auswurf aus Tierbauten oder räumlich begrenzte Rutschungen. Das erodierte Material sammelte sich am Böschungsfuss als Schutt und hätte die Hohle allmählich wieder aufgefüllt, wenn nicht weiterhin wirksame "Sohlenerosion" gegengesteuert hätte. Als Folge des Zusammenspiels von Hang- und Tiefenerosion zeigen ältere Hohlwege einen V-förmigen Querschnitt.

Wege wurden in der früheren Zeit in Form der kürzesten Linienführung angelegt, da Pferde eine kurze, steile Steigung besser bewältigen konnten als eine lange, flachere. Generell wurden sumpfige Täler und Senken als auch unnötige Steigungen bzw. Gefälle gemieden. Im einzelnen unterscheidet man

- Hohlwege in Form alter Überlandverbindungen (Handels- und Heerstraßen)
- Wege zu den benachbarten Dörfern oder den umliegenden Bauernschaften
- bäuerliche Zubringerwege
- sonstige Wege von lokaler Bedeutung.

Überregional bedeutende Verbindungsstraßen (z. B. Rennsteige) verliefen in der Regel über Geländerücken, da dort aufgrund mangelnder Reliefenergie die Einschnittstiefe gering blieb. Querten derartige Handels- oder auch Heerstraßen dagegen umständehalber Anhöhen oder Fließgewässer, fächerten sie im Paß- oder Furtbereich zu Hohlwegbündeln auf, da die Fahrzeuge aufgrund der starken Frequentierung gezwungen waren, dem Gegenverkehr auf andere Trassen auszuweichen.

Die häufigste Form der Ortsverbindung waren Kommunikations- oder Nachbarschaftswege. Sie hatten im Gegensatz zu Hauptwegen geringere Bedeutung und mussten von den einzelnen Kirchspielen unterhalten werden. Nur von lokaler Bedeutung, dennoch häufig war die Hohlwegbildung als Folge der Erschließung der Feldflur. Es waren meist rein landwirtschaftliche Nutzwege. Eine Sonderform war die Anbindung von Mühlen, Hammerwerken, Steinbrüchen, Bergbaustätten, Holzgerichten etc. an das örtliche Wegenetz.

Solange kein geeignetes Material in ausreichender Menge zur Wegebefestigung bereit stand, tieften sich die Hohlen bei regelmäßigen Befahren weiter ein. Erst gegen Ende des 19. Jarhunderts fielen im Zuge der Industrialisierung große Mengen Füllmaterial an.  In den rasch anwachsenden Städten genügten die Hohlen dem verstärkten Verkehrsaufkommen nicht mehr, sie wurden durch breite, gepflasterte Straßen ersetzt.

Die oben gemachten Ausführungen sind auszugsweise entnommen aus "Hohlwege als historische Landschaftsbestandteile Westfalens, Straßmann, Arno / Heimatpflege in Westfalen, 17. Jahrgang - 1/2004, herausgegeben durch den Westfälischen Heimatbund"
Die Lage des Hohlwegbündels im Gewerbegebiet Lüdenscheid-Freisenberg
Die Lage des Hohlwegbündels im Gewerbegebiet Lüdenscheid-Freisenberg
Bei dem Hohlwegbündel im Gewerbegebiet Freisenberg handelt es sich um ein sehr schönes Beispiel einer überregional bedeutenden Überlandverbindung. Das Hohlwegbündel ist Teil einer alten, seltenen Nord-Süd Verbindung des Sauerlandes. So führt diese alte Wegeverbindung nach Norden in Richtung Hagen und stellt in Richtung Süden eine Verbindung in Richtung Siegen-Olpe dar. Man kann daher von einem mittelalterlichen Vorläufer der Bundesstraße 54 bzw. der Autobahn 45 (Sauerlandlinie) sprechen. Örtliche Flurname, wie zum Beispiel "Diebesweg", "Auf der Straße", "After der Straße" oder "Hülscheider Baum" erinnern noch heute an den Verlauf dieser alten Überlandverbindung.

Das Hohlwegbündel Freisenberg ist am 01. März 1988 in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid eingetragen worden.


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