Bereits aus Artikel 3 des Grundgesetzes ergibt sich, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Durch barrierefreies Planen und Bauen entsteht eine menschenfreundliche Umwelt – kinderfreundlich, altenfreundlich und behindertenfreundlich. Die Architekten haben heute unter Anderem die verantwortungsvolle Aufgabe, den Prozess des demografischen Wandels und der Inklusion zu begleiten und auch zu gestalten. Als Leitfaden dazu dient die DIN 18040 – Norm Barrierefreies Bauen.

Nach § 55 Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW) müssen bisher lediglich bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, in den dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teilen von Menschen mit Behinderung, alten Menschen oder Personen mit Kleinkindern, barrierefrei erreicht und ohne fremde Hilfe zweckentsprechend genutzt werden können. Diese gesetzliche Regelung wird in der neuen Bauordnung, welche Ende 2016 durch den Landtag NRW beschlossen wurde, neu gefasst und deutlicher ausgeprägt (siehe letzter Absatz). Die neuen Regelungen gelten ab dem 28.12.2017!

Zum Hintergrund:

Am 3. Mai 2008 ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft getreten. Zweck dieses Übereinkommens ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern. Die Grundsätze des Übereinkommens sind:

  • die Achtung der dem Menschen innewohnenden Würde, seiner individuellen Autonomie, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, sowie seiner Unabhängigkeit
  • die Nichtdiskriminierung
  • die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft
  • die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit
  • die Chancengleichheit
  • die Zugänglichkeit
  • die Gleichberechtigung von Mann und Frau
  • die Achtung vor den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kindern mit Behinderungen und die Achtung ihres Rechts auf Wahrung ihrer Identität

Durch die Novellierung der BauO NRW müssen nach § 54 der neuen BauO NRW, welche in ihren wesentlichen Teilen am 28.12.2017 in Kraft tritt, zukünftig bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, und bauliche Anlagen für alte Menschen, Personen mit Kleinkindern und für Menschen mit Behinderung im erforderlichen Umfang barrierefrei sein. Öffentlich zugänglich sind bauliche Anlagen, wenn und soweit sie nach ihrem Zweck im Zeitraum ihrer Nutzung von im Vorhinein nicht bestimmbaren Personen aufgesucht werden können.

Wohngebäude sind nicht öffentlich zugänglich im Sinne dieser Vorschrift. Für diese gelten ab dem 28.12.2017 allerdings die nunmehr im Sinne der Barrierefreiheit wesentlich erhöhten Anforderungen des § 48 (Wohnungen) der neuen BauO NRW. Zu beachten ist ferner § 37 (Aufzüge) der neuen BauO NRW, nach dem bei mehr als drei (statt bisher fünf) oberirdischen Geschossen ein Aufzug zwingend eingebaut werden muss. Aufzüge müssen zudem stets barrierefrei sein.

Zuständige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Horst Bartsch

Kosmas Bieker

Frank Braun

Tordis Klimm

Ralf Metzler

Sylvia Mewes

Nadine Pichert

Torsten Schmittat