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Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte

Klaus-Martin Pandikow und Monika Schwanz seit Februar als ehrenamtliche Behindertenbeauftragte im Dienst / Bewusstsein schaffen für die Belange Behinderter und Konsens finden / Wirkungskreis geht über Stadtverwaltung hinaus / Keine Rechtsberatung aber Wegweiserfunktion / Sprechstunden im Rathaus

Seit der Ratssitzung am 25. Februar 2008 ist es amtlich: Klaus-Martin Pandikow und Monika Schwanz sind die ersten ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten für die Stadt Lüdenscheid. Sie vertreten damit die Interessen der behinderten Menschen in Lüdenscheid und setzen sich dafür ein, ihre selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern. Mehr als jede dritte Kommune in Nordrhein-Westfalen hat mittlerweile eine Behindertenbeauftragte oder einen Behindertenbeauftragten. Zu diesen fortschrittlichen Kommunen gehört nun auch Lüdenscheid.

"Wir stehen noch ganz am Anfang der Entwicklung", konstatiert Pandikow, der bereits als Schwerbehindertenvertreter der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Mitglied im CeBeeF ein Kenner der Materie ist. Nachdem die Stadtverwaltung Anfang 2006 die Einrichtung einer Behindertenvertretung initiiert hatte, waren über zweieinhalb Jahre Vorarbeit und Vorgespräche notwendig, um dahin zu kommen, wo man jetzt ist. "Jeder hat eine eigene Vorstellung davon, was und wie man etwas verbessern kann", erklärt Pandikow, "diese unterschiedlichen Interessen der behinderten Menschen mussten erst einmal gebündelt werden." Auf Basis dieser gemeinsamen Linie erfolgte dann durch die Stadtverwaltung die weitere notwendige Koordinierung zwischen den Interessen der behinderten Menschen, den Vorstellungen der Kommunalpolitik und innerhalb der Stadtverwaltung selbst.

Das Ergebnis war die Gründung einer ehrenamtlichen Arbeitsgemeinschaft. Ihr gehört je ein Vertreter der Behindertenorganisationen und Wohlfahrtsverbände, die in Lüdenscheid in der Behindertenarbeit tätig sind, sowie jeweils ein Vertreter der Ratsfraktionen an. Aus ihrer Mitte wählen sie den ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten, der dann zu Beginn einer jeden Legislaturperiode vom Rat offiziell bestellt werden muss.

"Die Erwartungshaltung der betroffenen Menschen an diese neu eingerichtete Interessensvertretung ist sehr hoch", weiß Stellvertreterin Schwanz. Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten sei hierbei gefragt. "Sensibilität, Verständnis und Toleranz schaffen sind die wichtigsten Aufgaben", so Schwanz. Der Weg dorthin soll über Vermittlung und Moderation gehen, um zu einem "Konsens für beide Seiten zu gelangen." Hierfür sei es zunächst einmal notwendig, ein Bewusstsein zu schaffen für die Belange der behinderten Menschen. "Menschen ohne Behinderungen sind sich häufig gar nicht im Klaren darüber, welche Probleme Behinderte in einer Umgebung haben, die für die Bedürfnisse der Nicht-Behinderten eingerichtet ist", erklärt die Mutter einer behinderten Tochter, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, und für die eine "normale" Treppe jedes Mal eine logistische Herausforderung darstellt.

Hauptamtliche Unterstützung kommt dabei aus dem Rathaus: Mit Ulrich Schwarten und Volker Schmidt als seinem Stellvertreter stehen den Ehrenamtlichen zwei Fachleute aus der Stadtverwaltung mit Rat und Tat zur Seite. Auch in ihrer Hauptsatzung hat die Stadt Lüdenscheid nun die Förderung der gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen verankert. Dies bedeutet, dass bei sämtlichen Planungen, die Behinderte betreffen könnten, der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte mit eingebunden werden muss. 

Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte seinerseits kann seine Interessensvertreterfunktion aber auch über die Stadtverwaltung hinaus geltend machen und andere Behörden oder private Einrichtungen ansprechen, sie beraten oder ein Problembewusstsein wecken. Mit Ausnahme einer Rechtsberatung, die von anerkannten Behindertenverbänden wie dem VdK oder dem Reichsbund im Rahmen ihrer Satzungen geleistet werde, "sind wir zentrale Ansprechpartner für alle organisierten und nicht-organisierten behinderten Menschen in Lüdenscheid und Wegweiser im teils komplizierten Behördendschungel", so Pandikow und Schwanz.

Hierfür gibt es demnächst auch regelmäßige Sprechstunden im Rathaus. Jeden Mittwoch, von 11 bis 13 Uhr, steht im Raum 239 der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte als Ansprechpartner zur Verfügung. Menschen, die nicht mobil sind oder keine Türen öffnen können, können sich an der Rathaus-Infotheke melden und werden dann abgeholt. Pandikow: "Nach dem Rathausumbau werden die Sprechstunden in einem Büro stattfinden, das barrierefrei erreicht werden kann." Telefonisch ist der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte über 02351 / 17 22 27 zu erreichen, per Fax: 17 17 26 oder per email: behindertenbauftragter@luedenscheid.de   

Lüdenscheid, 14.05.2008

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