FAQ (Häufig gestellte Fragen) zur Schuldnerberatung

Auf dieser Seite haben wir für Sie die wichtigsten Fragen zum Thema Schuldnerberatung zusammengefasst.

Fragezeichen

Was tun bei Kontenpfändung?

Seit dem 1. Januar 2012 gibt es Kontopfändungsschutz nur noch auf einem Pfändungsschutzkonto (P-Konto). Dieses gilt sowohl für den Lohn als auch für Sozialleistungen wie Rente, Kindergeld, ALG II und Sozialhilfe.

  • Richten Sie ein P-Konto ein, sprechen Sie vorher mit Ihrer Bank/Sparkasse, welche Unterlagen benötigt werden.
  • Jede Person darf nur ein Konto als P-Konto führen.
    Ein Gemeinschaftskonto (z. B. Eheleute-Konto) darf nicht als P-Konto geführt werden.
  • Die Umwandlung in ein P-Konto ist auch dann noch möglich, wenn bereits Pfändungen zugestellt wurden
    (4 Wochen Frist ab Zustellung des Beschlusses bei der Bank/Sparkasse).
  • Der Grundfreibetrag für jeden Kontoinhaber liegt z. Z. bei 1.045,04 Euro.
    Der Freibetrag kann erhöht werden, je nach Lebenssituation (Kinder, Ehegatten usw.).

Was tun bei Lohnpfändung?

Bei einer Lohnpfändung muss Ihr Arbeitgeber nach Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses den pfändbaren Teil Ihres Arbeitseinkommens berechnen und auszahlen. Der pfändbare Betrag richet sich nach der Pfändungstabelle gemäß § 850 ZPO. Die Höhe des pfändbaren Betrages richtet sich nach Ihrem Nettolohn und der Anzahl der Unterhaltsverpflichtungen (Kinder, Ehegatte). Außerdem sind Zuschläge, Weihnachtsgeld und bestimmte Zulagen ganz oder teilweise unpfändbar. Die aktuelle Pfändungstabelle können Sie hier abrufen: Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (Pfändungsfreigrenzen).

Der pfändbare Betrag wird in der Regel nur an den Gläubiger ausgezahlt, der zuerst beim Arbeitgeber gepfändet hat. Haben noch weitere Gläubiger Ihren Lohn gepfändet, erhalten diese erst Zahlungen, wenn der andere Gläubiger seine Forderung bekommen hat.


Was tun, wenn der Mahnbescheid/Vollstreckungsbescheid kommt?

Wenn Sie auf Mahnungen und Zahlungsaufforderungen nicht reagiert haben, können Gläubiger einen Mahnbescheid beim Amtsgericht beantragen.

Das Gericht prüft weder Inhalt noch Richtigkeit der Gläubigerangaben. Sie sollten daher stets besonders gründlich prüfen, ob der Anspruch überhaupt besteht, d. h. ob Zinsen, Gebühren und Inkassokosten berechtigt sind.

Ab Zustellung des Mahnbescheides haben Sie zwei Wochen Zeit, beim zuständigen Gericht Widerspruch oder Teilwiderspruch auf dem beigefügten Formular einzulegen. Geschieht dies nicht, erlässt das Gericht auf Antrag des Gläubigers einen Vollstreckungsbescheid.

Der Gläubiger hat durch den Vollstreckungsbescheid die Möglichkeit Ihren Lohn/ Konto zu pfänden oder den Gerichtsvollzieher mit der Pfändung zu beauftragen. Mit diesem Vollstreckungsbescheid kann der Gläubiger 30 Jahre gegen Sie vollstrecken.


Kann ich alle Schulden zu einem Kredit zusammenfassen?

Wer mehrere Gläubiger hat oder einige Kredite und dazu noch weiteres Geld benötigt, denkt häufig darüber nach umzuschulden, das heißt, alle Schulden zu einem Kredit zusammenzufassen und dadurch nur an einen Gläubiger zu zahlen.

In der Regel haben Sie dadurch aber auch zusätzliche finanzielle Belastungen. Es fallen Gebühren, Ablösezinsen, Versicherungen an.

Sie zahlen bei einer Umschuldung oft wesentlich mehr. Eine eventuelle Umschuldung würde sich nur lohnen, wenn der neue Kredit mindestens 5% Punkte günstiger ist als der alte.


Was tun bei Miet- und Energieschulden?

Achten Sie immer darauf, Ihre Miete und Energieschulden zu zahlen, damit Sie Ihre Wohnung nicht verlieren oder ohne Strom und Heizung dastehen. Stellen Sie in dieser Situation notfalls Zahlungen an andere Gläubiger zurück. Bereits bei 2 Monatsmieten Rückstand kann Ihr Vermieter Ihnen kündigen. Versuchen Sie, eine Einigung mit Ihrem Vermieter zu erzielen.

In seltenen Fällen werden Darlehen beim Sozialamt zur Übernahme von Mietschulden gewährt.

Sollten Sie Energieschulden haben, wenden Sie sich an den Energielieferanten und versuchen Sie eine Vereinbarung (Ratenzahlung) zu erzielen.


Was ist wichtig, wenn ich eine Vermögensauskunft (ehemals "Eidesstattliche Versicherung") abgeben muss?

Die Vermögensauskunft ersetzt ab 2013 die eidesstattliche Versicherung. Sie dient zur Informationsbeschaffung für den Gläubiger und legt Ihre gesamte Vermögenssituation offen. Sie sind im Rahmen einer Vermögensauskunft zu wahrheitsgemäßen und vollständigen Angaben über Ihre Vermögenssituation verpflichtet. Bei Verweigerung der Vermögensauskunft droht Erzwingungshaft.

Die Vermögensauskunft wird zentral in NRW beim Amtsgericht Hagen gespeichert.

Zur Einsicht in das Schuldenverzeichnis sind Sie selbst berechtigt sowie:

  • Gläubiger
  • Gewerbeaufsichtsämter
  • Behörden, die Leistungen wie Unterhalt, Sozialleistungen und Arbeitslosengeld gewähren
  • Insolvenzgericht

Sie können über das Vollstreckungsportal eine Selbstauskunft einholen. Der Gerichtsvollzieher gibt Ihnen hierzu entsprechende Informationen.

Bitte beachten Sie, dass Sie alle Vermögensgegenstände vollständig und richtig angeben. Hierzu zählen insbesondere

  • hochwertige Einrichtungs- und wertvolle Gebrauchsgegenstände
  • Bankkonten, Wertpapiere
  • sämtliche Einkünfte
  • Steuererstattungansprüche
  • Lebensversicherungen
  • Grundstücke
  • Genossenschaftsanteile
  • Erbschaften
  • sonstige Forderungen

Sie können mit dem Gerichtsvollzieher Zahlungsvereinbarungen treffen.